Seit 5 Jahren wird von den SymbiontikerInnen Kunst verschmolzen – in
Multimedialesungen, Kurzfilmen, Aktionen, Installationen und
Theaterstücken. Knapp vor ihrem kreativen Siedepunkt wird die Gruppe nun
den Bambergsaal in einen Druckkochtopf verwandeln, wo dem Publikum Kunst
für alle Sinne nur so um die Ohren zischt. Für Jedermann verständlich
werden dabei die absurden Zusammenhänge unserer Welt veranschaulicht: Da
führt die antifaschistischste Kaiserwurscht Österreichs zu stundenlangen
Warteschlangen vor Museen, da erklärt Professor Schwitz inwiefern
Universen über Gaumenzäpfchen von Opernsängern verschränkt sind, da
kitzeln Literatur-Jazz-Jam-Sessions die Gehörgänge, wird das dritte
Testament verlesen, Villachs Lokalpolitik brutal seziert, die triumphale
Rückkehr des Grindes in eine kalte sterile Welt zelebriert, und, und...
"Und da Sohn!!!"
Eine Art Fernsehsendung im Delphinarium der Geschlechtskrankheiten, bei
der die Welt, wie wir sie kennen, gemütlich aus den Fugen gerät und einzig
der versiffte Moderator Rudi Ratt Radulnig auf seiner knarrenden
Ledercouch für ein bisschen Phlegma im Chaos sorgt. Schaun Sie rein und
lassen Sie sich überraschen. Kost' ja nix.
Versiffter Moderator, skurrile Gästeliste. Im Gespräch mit Rudi Ratt
Radulnig: Ein introvertierter Bassist, ein egozentrischer Poprocker, ein
literarischer Kugelblitz, die Granden der Villacher Politik von SPÖ, BZÖ,
ÖVP und Grünen, der Slowenenhasser mit der windischen Oma, Inlineskater
Réné Tschaguntschnig in rosa Hotpants, eine fesche Tasmanierin, ein Haufen
Sockenpatrioten, eine Kaiserwurst, das Mädchen mit dem Opa dessen Bein
doch nicht von einem Drachen gefressen wurde, Leberkäs- und Sasaka-Kunst,
die Villacher Kirchtagslyriker, ein verschwitzter Physiker, der beste
Saxophonist der Stadt, der schlechteste Sandlersax-Spieler der Stadt, zwei
junge Kapläne, das Brot hart wie Stahl, die Zeit die man sich nimmt und
noch viele mehr!
Ein Spektakel von Thomas und Miloš Wächter, realisiert
mit Johanna Amlacher, Alfred Burian, Paul Dorner, Dominik und Patrick
Filipczack, Michael Fürst, Michael Gams, Albert H., Lukas Hutter, Rina Juniku, Fabian
Lackner, Manuel Müllneritsch, Matthias Nadrag, Sylvia Schurian, Flo
Schweitzer, Stephanie Sutanto, Magdalena Taxenbacher, Bernhard und Anna
Wächter, Alex Zojer, Elisabeth K & Christian M.
Photos und Ablauf:
Der Maître de Cérémonie begrüßt euphorisch das Publikum (Manuel
Müllneritsch)...
...macht Seitenhiebe auf die lokale Prominenz in der ersten Reihe...
...schont auch den Rest nicht wirklich...
...und kündigt an, während des "hoffentlich nicht allzu langen" Abends
"Die Ordnung" zu "zerzausen".
Textauszug:
- Maître de Cérémonie:
"...Abend… Abend… Schönen guten Abend, hereinspaziert, hereinspaziert,
sind eh schon alle da, jaja… In den vorderen Reihen sssssssss… die lokale
Prominenz, Wichtige und Halbwichtige aus Politik, Wirtschaft und Kultur…
[an Frau gerichtet:] mit Dekolletee heut Abend, ja? Ob Sie sich das noch
leisten können..? [wieder an alle] Dahinter: Kleinstädtisches
Bildungsbürgertum: Lehrer, Ärzte, Anwälte; Akademiker und solche die es
hätten werden können, wir wissen, „damals war die Matura ja noch was
wert“, helle, belesene Köpfe der Provinz, ja? Und am Rand, und ganz ganz
hinten? Da stehen die andern, die stehen im Dunklen, die sieht man nicht,
selbsternannte kritische Gegenöffentlichkeit, Underdogs und Querdenker mit
leicht aktionistischen Trieben im trägen Gebälk geerbten Wohlstands… Ein
Villacher Publikum, gespickt mit unserer geschätzten Jugend, ja, auch die
soll heute Abend auf ihre Kosten kommen, denn sitzen Sie, geliebte
Geistesmenschen, hier wohl bei freiem Eintritt, so kostet Sie der Spaß
doch Zeit, und Zeit ist Geld, und ob unser Spektakel selbiges auch wert
ist, ist bei weitem kein säuberlich gestutzter anglofinkensteiner
Golfplatzrasen mit Blick auf die BLUTGRENZE! [an Mann gerichtet:] Ah!
Meine Verehrung Herr Hofrat, auch im Herbst: Sonnenschutz aufs kahle Haupt
beim Putten… die Falten werden nicht weniger auf der Stirn, immer noch in
Sorge, dass man ihnen auf das geerbte Seegrundstück draufkommt? [flüstert]
Das vom Großvater wild arisierte? Nicht doch, da kommen die nicht drauf…
[wieder an alle] Entspannen sie sich! Lehnen Sie sich zurück, heut
piesacken wir Sie nicht mit den pelzigen Habebuttenkörnern Ihres
schlechten Gewissens, heut lassen wir die Leichen im Keller der
Geschichte, rühren nicht im modrigbraunen Sumpf der Gemütlichkeit bis es
nach faulen Eiern mieft, nein, ganz anders… Heute, ihr hoch verehrten
Evastöchter und Kavaliere, werden wir die Ordnung… zerzausen! Die Termiten
des Wahnsinns auf die sturen Bretter des Regals der Logik loslassen, bis
die verkrusteten Naturgesetze aus ihren Fugen krispeln, denn… „SPECIAL
SYMBIOSIS ERKLÄRT DIE WELT. Das Kunstverschmelzungskollektiv am
Siedepunkt.“ Und Sie, [ballert mit den Zeigefingern wahllos ins Publikum]:
Sie, Sie, Sie, Sie, Sie! …assistieren LIVE an der allerersten Ausgabe der
nun folgenden Ansammlung kultureller Bockerlfraß und sind dabei…
ästhetisch wie ein Flamingo, der bei Vollmond auf die Gräber pisst; sind
ausgeliefert… und doch frei wie Ibisse im Delphinarium der
Geschlechtskrankheiten… sind Öl, und Sand, und Essig im Getriebe der
Gemächlichkeiten… sind Starr vor Staunen… oder gleichgültig wie nasser
Farn im Achselhaar… sind Becher ohne Asche, aschfahles Krematorienparfait,
arschfaules Kalorienbuffet! fruchtige Sorbetexplosionen im falschen Gebiss
der subventionierten Gießkannenkunst, Sie, werte Anwesenden, ja Sie! sind
das Allerwichtigste… Denn Sie, sind das PUBLIKUM..."
Nach einem anfänglichen Wutausbruch gegen Überhygiene und
Uniformitätszwänge - Publikumsbeschimpfung inklusive ("Wegen euch kommt
mir schon am Morgen das Kotzen!") - leitet Moderator Rudi Ratt Radulnig
(Thomas Mittersteiner) die Politikdiskussion ein. Politologe Peter
Filzeier (Miloš Wächter) und Mikroboy Réné Tschaguntschnig
(Müllneritsch) sorgen für Gesprächsdisziplin. Stephan Jank (kärnöl)
analysiert in seinem Eingangsstatement die Machtlosigkeit der Lokalpolitik
angesichts der Wirtschaftskrise, womit sich die darauf folgende Diskussion
eigentlich erübrigt hätte. Radulnig, dem "Lokalpolitik am Arsch vorbei"
gehe, sieht sich bestätigt und duselt im einsetzenden Bierrausch dahin.
"Und da Sohn?", fragt der Sohn störend (Fabian Lackner).
Martin Pacher (AKS) sinniert darüber, dass er als junger engagierter
Linker nicht recht weiß, welche Partei die beste Wahl ist...
...und singt dann überzeugt die Internationale.
der Mikroboy trägt sein Gedicht "Szenekirchtag 2008" vor. "Komm! Hol
das Lasso raus..."
Vizebürgermeister und Kirchtagsobmann Richard Pfeiler (SPÖ) lauscht
gespannt. Die niveaulosen Zitate aus deutschen Schlagern habe er am
Kirchtag noch nie gehört.
Stadtrat Mag. Peter Weidinger (ÖVP) lässt sich vom stürmischen Mikroboy
vage Versprechen bezüglich Homo-Ehe entlocken. Nach dem ersten Schreck
will er dann aber doch ein Bussi vom kessen Tschaguntschnig...
Susanne Zimmermann (Grüne) wird mit einem vulgären Originalzitat
konfrontiert und bleibt cool.
Frauenpower: der Mikroboy wirft sich ihr zu Füßen, dann entreißt sie
ihm einfach das Mikrofon und sing ein Lied, dass mehr Frauen in der
Politik fordert.
Schlussrunde: Während die PolitikerInnen für ihre Parteien werben, ruft
Jank zum Nichtwählen auf. Pacher hingegen empfiehlt JungwählerInnen bloß,
keine "rechte Partei" zu wählen - und nennt BZÖ, FPÖ und die ÖVP.
Stimmung: Ein Medley aus Szenekirchtagsschlagern (Joanna! Du geile
Sau!) sorgt für Partystimmung am Ende des Politik-Teils. Weidinger gibt
Gas und nötigt Pfeiler zu einer Technopolka.
Dann übernimmt Prof. Schwitz (Flo Schweitzer) und referiert, inwiefern
Universen über Gaumenzäpfchen von Opernsängern verschränkt sind.
Mehr dazu...
Von der Wissenschaft...
...zur Religion.
Ein Kaplan (Müllneritsch) des neuen Gurkerl-Ritus erläutert Szenen aus
dem 3. Testament. Mit seinem Ministranten (Bernhard Wächter) lädt er dann
das Publikum zur "sauren Kommunion" und verteilt Essiggürkchen.
Vzbgm Pfeiler schmeckts. Hinten: Filmprofi Michael Gams in Aktion.
Poltert wie immer politisch unkorrekt durch den Kärntner Heimatherbst:
die Kabarettsensation Rohwert (Matthias Nadrag). Peinliches aus der
Kindergartenzeit des Moderators, und schließlich Einblicke in die Abgründe
von Rohwert's Familiengeschichte: der Slowenenfeind hat eine "windische"
Oma...
Die literarische Jazz-Jam-Session. Mit dem besten Bassisten der Stadt
(Lukas Hutter), dem besten Saxophonisten der Stadt (Paul Dorner), und dem
literarischen Kugelblitz (Bernhard Wächter).
Ein Fan aus dem Publikum (Johanna Amlacher) entreißt dem Literaten das
Mikro, sprengt die Session und trägt dem Bassisten ein herzzerreißendes
Liebesgedicht vor: "Ich will mich an deinen flauschig-zarten Körper
schmiegen, und wie der Kontrabass hautnah an deinen Hüften liegen."
Die "Minute des Volkes" eskaliert: Maria Ebner (Rina Juniku) berichtet
von ihrem Großvater, der noch immer nationalsozialistisches Gedankengut in
sich trägt und stolz darauf ist, im 2. Weltkrieg an der Massenerschießung
von Juden teilgenommen zu haben. Da trampelt der Sohn auf die Bühne - das
Strandoutfit hat er gegen seine Neonazikluft getauscht...
Das ruft die Kunst auf den Plan: Objektkünstler Josef Jelinek hat eine
antifaschistische Kaiserwurscht" fabriziert.
Kunstkritikerin Dominique Debile (Juniku) bringt seine Botschaft auf
den Punkt: "Die braune Scheisse runterspülen"
Nach Radulnigs Schlussmomolog über die Konsistenz seiner Kaiserwürschte
beendet der Maître die Show. "Nicht vergessen: runterspülen!"