Das abendfüllende Werk „Patrioten zur Lage der Nation“ stellt einen
alternativen Zugang zum Medium Theater dar. In dichter Abfolge werden,
Schauspiel, Musik, Tanz und Kurzfilm zu einer kompakten Einheit
verschmolzen.
Handlung: Ein junger, erfolgreicher Anwalt wird aus seinen
Alltagsbahnen geworfen, als ihn seine Freundin wegen eines Immigranten
verlässt. Anstatt zu arbeiten, liegt er halb wach, halb träumend auf der
Couch und zappt sich melancholisch durch unzählige Fernsehkanäle. Auf der
Bühne materialisieren sich nach und nach seine Gedanken, tauchen Szenen
aus seiner Vergangenheit auf, vermischen sich mit den TV-Bildern und
entwickeln ein scheinbar unkontrolliertes Eigenleben. Liebeskummer,
Rassismus, Heimatgefühl, Machtlosigkeit gegenüber dem Leid in der Welt,...
Wird ihn dieser Nachdenkprozess aus seiner Lethargie befreien, oder wird
er weiterhin auf der Couch dahinvegetieren? Und warum "funktioniert" der
einst erfolgreiche Karrieremensch nicht mehr?
"Patrioten zur Lage der Nation" ist der tragikomische Versuch, Lebensart,
Umfeld und Perspektiven des Individuums von heute zu beleuchten - in einer
globalisierten Welt, die verunsichert.
Ein Stück von Alfred Burian und Miloš Wächter.
Mitwirkende (alph.): Patrick und Dominik Filipczak, Michael Gams, Georg
Handler, Albert Huber, Elisabeth K, Christian M, Thomas Mittersteiner,
Manuel Müllneritsch, Matthias Nadrag, Josef Prenner, Sylvia Schurian,
Amelie Schwank, Robert Sposato, Philipp Stromer, Alex Zojer, div.
Fotokünstler
2007 Uraufführung im Park Hotel Villach
2008 Österreich-Tournee
Bizarre Figurenvielfalt und rasante Rollenwechsel
Die SchauspielerInnen der Gruppe zeigten vollen Körpereinsatz und
überraschten mit rasanten Kostüm- und Rollenwechseln: Opernarien
trällernde Vögel, ein faschistoider Sepp Forcher, ein durchdrehender
Bundeskanzler, ein Hauptdarsteller, der sich selbst verprügelt, der
Slowenenfeindliche Prolo-Kabarettist Rohwert, der das Publikum mit seinen
Mikro-Konfrontationen in die Enge treibt, der Hausverstand aus der
TV-Werbung, der Leberkäs- und Sassaka-Künstler Jelinek, die verführerische
Tamara aus Tasmanien, Burger fressende Alptraumgestalten, etc... Ein
Höhepunkt der Darbietung war wohl die Persiflage auf die Villacher
Faschingsgilde, bei der – anstatt der gewohnten "Gardenmädels" – acht
junge Männer spärlich mit rot-weiß-roten Socken bekleidet über die Bühne
marschierten und "Can Can" tanzten (siehe Foto). Als diese dann plötzlich
die Hand zum Hitlergruß ausstreckten und Zitate von FPÖ, BZÖ, SPÖ und
ÖVP-Politikern aus den letzten Jahrzehnten vortrugen, blieb so manchem
Besucher das Lachen im Hals stecken: Ein Hinweis auf den unpassenden
Faschingsbeginn am 11.11. – just zu jener Zeit, als mit den brutalen
Novemberpogromen 1938 die nationalsozialistische Judenverfolgung begann
und eher Gedenkveranstaltungen als Faschingstreiben angebracht wären.
Die bedenklichen Originalzitate der Sockenpatrioten
In lächerlichem Aufzug brüllten die "Sockenpatrioten" rechtsextreme Zitate
ins Publikum. Bestürzend ist, dass die Zitate von österreichischen
Nachkriegspolitikern in elitären Positionen stammen, vorwiegend aus den
letzten Jahren:
“Unsere Ehre heißt Treue.”
Ernest Windholz, FPÖ (jetzt BZÖ), Nationalrats- und Landtagsabgeordneter,
2000,
Spiegel.de
Nationalsozialisten: „Beeindruckend … was die damals für ein
Wirtschaftsprogramm aufgestellt haben“
Veit Schalle, BZÖ, Nationalratsabgeordneter, 2006,
WienerZeitung.at
“Die Juden treiben’s noch so weit, bis sie wieder eine am Deckel kriegen.”
Hans Asamer, ÖVP, Bürgermeiser von Ohlsdorf, 2000, Profil vom 10.7.2000,
Nr.28/00
„Gaskammern? Ich halte mich da raus! Ich glaube alles, was dogmatisch
vorgeschrieben ist.“
John Gudenus, FPÖ, Nationalratsabgeordneter, 1991,
ORF
2006 wegen Wiederbetätigung verurteilt.