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2008 - Patriotische Selbstreinigung:die antifaschistische Kaiserwurscht
von Josef Jelinek und Thomas Mittersteiner, realisiert mit Mathias Kolb, Anna Wächter, Martin Mittersteiner
Dieses Kunstwerk richtet sich gegen (Neo-) Nationalsozialismus, Faschismus und Intoleranz. Das Scheißen einer hakenkreuzförmigen Wurst ist mit der Befreiung der österreichischen Fahne von braunen Flecken gleichzusetzen und somit als patriotischer Akt zu verstehen. Denn wer die Spuren des Nazi-Faschismus, die auch nach 1945 noch reichlich in der österreichischen Gesellschaft vorhanden waren und sind, stillschweigend hinnimmt, der verhindert echte Aufarbeitung, ebnet menschenverachtenden Ideologien den Weg, schadet Land und Leuten und ist somit "Heimatverräter". Dass gerade jene, die gegen Nazis kämpfen, in Österreich von gar nicht so wenigen als "Nestbeschmutzer" bezeichnet werden, ist bezeichnend für eine Kultur, in der als Patriot gilt, wer in Wahrheit seiner Heimat schadet. Hoch also die wahren Patrioten, die auf die braune Scheiße in diesem Land scheißen. Abgesehen davon sind Begriffe wie Heimat und Patriotismus äußerst kritisch zu hinterfragen. Übersteigerte "Liebe" zum "Vaterland" führt zwangsläufig zu Ausgrenzung, Intoleranz und schlussendlich Krieg. Darauf kann also ebenfalls getrost geschissen werden.
die antifaschistische Kaiserwurscht: erstmals präsentiert in der TV-Sendung "Ideal und Wirklichkeit"
Kritik von Dominique Bedile, Kunstakademie Wien:(in: "Ideal und Wirklichkeit") Zwei Kaiserwürschte, die übereinander gelegt ein braunes Hakenkreuz in einer Kloschüssel bilden. Josef Jelinek ist es gelungen, mit diesem Schiss gleich mehrere Dinge (r)auszudrücken – im wahrsten Sinne des Wortes. Künstler wie Jelinek fordern seit Jahren vehement die patriotische Selbstreinigung der Gesellschaft vom braunen Nazisud. Der einzelne, wie das ganze Land soll sich endlich vom Nazifaschismus befreien, und diese Befreiung als patriotischen Akt, als Erleichterung erleben. Eine Forderung aktueller denn je, sind die Hakenkreuzwürschte doch noch fest im Gedärm der Republik verkeilt, wie man angesichts der Wahl eines Rechtsaußenpolitikers zum 3. Nationalratspräsidenten sieht. Die braune Scheiße runterspülen, und endlich, 70 Jahre nach dem Anschluss, Österreich hygienischer, nazifrei machen. Damit wir auf dieses Land wieder stolz sein können. Das ist die gesellschaftspolitische, radikale Forderung, die mit diesem Werk mitschwingt. Bezeichnend für Österreich ist die Tatsache, dass dieses Hakenkreuz eben nicht runtergespült wurde, sondern seit Wochen gerade noch im Diesseits zurückgehalten wird, als wäre dieses Land ohne braune Scheiße nicht das, was es ist. Sind die braunen Flecken in der rot-weiß-roten Fahne ebenso Teil unserer Identität wie Mozartkugeln oder Lipizzaner? Unbequeme Fragen, die Jelinek mutig in die Schüssel gedrückt hat. Betrachten wir die Materialien dieses Objekts, so zeigt sich Jelinek ebenfalls radikal. Seiner Zeit voraus verwendet er ausschließlich biologisch abgebaute und abbaubare Substanzen. Damit wurde er zum Avantgardisten der Ökokunst. Zu Recht wird sein Werk national wie international gefeiert. Während im Ausland die kritischen Komponenten des Werkes gewürdigt werden, muss der Künstler im Inland mit Fehlinterpretationen kämpfen. So haben rechte Parteien gefordert, zu Ehren des „Patrioten“ Jelinek eine Sonderprägung der 1-Euro-Münze herzustellen, auf der die Kaiserwurscht prangen soll. Auch wurde angedacht, anstelle des Bundesadlers die Wurscht als Emblem auf die rot-weiß-roten Fahne zu drucken. Selten hat ein Kunstwerk so widersprüchliche Reaktionen ausgelöst.
weitere Bilder zur Kritik (aus "Ideal und Wirklichkeit"):
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...auch das ist patriotische Selbstreinigung:...das ganze Land im Sockengwand! Fotos und Videos zur Sockenaktion
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...erstmals gezeigt bei der TV-Sendung
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